Die britische Anti-Sklaverei-Bewegung  rund um Thomas Clarkson setzte bereits 1788 auf die Macht der Bilder – und deren Verbreitung. Das „Brookes Plymouth Leaflet“ zeigte die schematische Darstellung des englischen Sklavenschiffs Brookes, illustrierte, welch unvorstellbar große Anzahl an  Menschen in dem Rumpf des Schiffes gepfercht wurden, sodass diese auf der monatelangen Fahrt nur auf der Seite liegen konnten, ohne auch nur die Möglichkeit zu haben, aufzustehen. Diese Illustrationen, die den Menschen die Realität des Sklavenhandels in all seiner Grausamkeit vor Augen führte, fanden rasche Verbreitung und brachten immer mehr Briten dazu, sich der Anti-Sklaverei-Bewegung anzuschließen – eine Advocacy-Kampagne des  18. Jahrhunderts, die sich moderner Tools bediente.

Einen Anstoß geben, weiter zu denken

Und Clarkson beließ es nicht bei bedrucktem Papier. Porzellankannen mit zwei Sujets – der Abbildung eines Sklaven und einer Sklavin – wurden ebenfalls als vormoderne Calls to Action eingesetzt. Die Slogans der Abolitionsbewegung – „Am I not a man and a brother“? „Am I not am woman and a sister?“ –  war auf den Krügen zu lesen. Zwei Appelle an die Betrachter, die auch heute noch immer emotional berühren. Die Bilder rüttelten also nicht nur auf, sie gaben den Menschen, die sie sahen, offenbar auch den entscheidenden Denkanstoß, sich mit der Sklaverei auseinander zusetzen.

Advocacy mittels klarer und packender Visualisierung

Damit eine Kampagne schlagkräftig wird, müssen mehrere Ebenen zusammen spielen: Starke Fakten müssen mit schlagkräftigen Argumenten untermauert werden, richtiges Timing und Präsentation sind essentiell. Denn die politische Botschaft, die Fakten und die sachlichen Argumente sollten auf einen Blick verstanden werden. Doch das ehrenwerteste Anliegen,  der witzigste Slogan und die klügste Argumentation nützen wenig, wenn die Botschaften nicht auch zusätzlich die Emotionen der Betrachter ansprechen. Einer der effektivsten Wege, Menschen für die eigenen Anliegen zu gewinnen und zu Unterstützern zu machen, sind Visualisierungen und grafische Aufbereitungen. Das Buch „Visualising Information for Advocacy“ des Tactical Technology  Collective zeigt anhand von mehr als 60 Beispielen, wie NGOs und politische Aktivisten, ihre Kampagnen gestalten müssen, um Wirkung zu erzielen. Das Prinzip klingt simpel:  „Egal, ob wir mit Informationen überflutet werden oder sie vermissen: Der Wert einer Information hängt immer von ihrer Qualität ab.“

Für Kampagnen und Advocacy bedeutet dies:

  • Die Informationen müssen klar und einfach sein, um komplexe Sachverhalte verständlich zu machen.
  • Visualisierungen und Infografiken müssen so packend sein, dass sie die Aufmerksamkeit der Betrachter wecken.
  • Menschen, die blanken Zahlen und Statistiken nichts abgewinnen können, werden vielleicht von einer guten grafischen Umsetzung überzeugt. Im Zuge von Kampagnen kann Datenmaterial durch eine optisch gelungene Umsetzung zu einem mächtigen Adcovacy-Instrument gemacht werden.

 

Dass eine gute Visualisierung nicht ausschließlich über Plakate, TV-Spots oder Social Media funktioniert, hat eine brasilianische Brustkrebs-Kampagne vorgezeigt. Auf kleinen Stickern auf Äpfeln in den Obstabteilungen war in Anspielung darauf, wie Konsumentinnen sonst automatisch das Obst untersuchen, bevor sie es in den Einkaufswagen legen, zu lesen: „Sehen Sie? So einfach ist es, eine Selbstuntersuchung durchzuführen!“

Visualisingadvocacy.org
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