Noch nie haben so viele Generationen gleichzeitig gelebt. Das ist erfreulich, birgt aber auch zahlreiche Konfliktpotentiale, wie das Ergebnis der Arena Analyse 2015 – „Generationen-Fairness“ von Kovar & Partners zeigt.  Generationenfragen und generationenübergreifende Verantwortung werden daher an Bedeutung gewinnen. Wir leben auf Pump und hinterlassen künftigen Generationen, die noch nicht einmal geboren sind, einen riesigen Schuldenberg. Doch handeln wir aus purer Ignoranz oder sind wir Ausbeuter wider Willen? Wie sollen Lebensarbeitszeit und Einkommenskurve gestaltet werden, dass sowohl die Jungen als auch die Älteren faire Bedingungen vorfinden? Wie kann verhindert werden, dass die demografische Entwicklung dazu führt, dass bei Wahlen die Alten die Jungen und deren Anliegen schlicht  überstimmen? Erlebt die Großfamilie eine Renaissance, und wenn ja, aus wirtschaftlicher Notwendigkeit oder aus generationenübergreifender Solidarität? Zu diesen und weiteren Knackpunkten zwischen Jung und Alt  haben insgesamt  81 Expertinnen und Experten ihre Einschätzung abgegeben.

Der 360-Grad-Blick auf Jung und Alt

Seit 2006 befragt Kovar & Partners gemeinsam mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ und nun auch mit der Tageszeitung „Der Standard“ jährlich einen ausgewählten Kreis von Expertinnen und Experten, um brisante Zukunftsthemen frühzeitig zu identifizieren. Wenn ein neues Thema plötzlich in der öffentlichen Debatte breiten Raum einnimmt oder scheinbar unvermittelt auf der politischen Agenda auftaucht, hat es oft bereits jahrelang unter der Oberfläche geschlummert oder sogar schon gebrodelt. Unter den Experten in den jeweiligen Disziplinen werden die Emerging Issues aber bereits diskutiert, weshalb sie durch gezielte Fragetechniken auch identifizierbar sind. Die Ergebnisse der ExpertInnen-Befragung fließen in eine politische Risikoanalyse ein, die einen Rundum-Blick auf die politische Arena von morgen liefert.

Verständnis für Generationen-Fairness

Die Befragten haben aber nicht nur intergenerationelle Bruchlinien offengelegt, sondern sie haben auch mögliche Brücken zwischen Alt und Jung geortet. Denn eines unterstreicht das Ergebnis der Arena Analyse: Es herrscht nicht nur blankes Unverständnis zwischen den Generationen. So geht zum Beispiel aus zahlreichen Beiträgen der Arena Analyse hervor, dass das Verhältnis zwischen Alt und Jung bei entscheidenden Fragen keineswegs so schlecht ist, wie vielleicht angenommen, sondern dass im Gegenteil durchaus Verständnis für die Interessen der anderen besteht. Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist viel nachhaltiger anzuwenden. Etwa in der Gesetzgebung, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr Augenmerk auf Generationen-Fairness und die Folgen für die künftigen Generationen einfordern. Darüber hinaus bedarf Generationen-Fairness die Gestaltung einer Umwelt, die auf die Heranwachsenden Rücksicht nimmt, aber auch für ältere Menschen lebenswert und benutzerfreundlich bleibt. Hierbei reicht die Bandbreite von der Gestaltung sozialer Einrichtungen über das Angebot an medialer Information bis zu Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt.   Die Arena Analyse 2015 zeigt also: Um Generationen-Fairness und einen Interessenausgleich zwischen Jüngeren und Älteren herzustellen,  bedarf es einer großen gemeinsamen Kraftanstrengung von Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft – einer Allianz der Willigen  – aber es ist machbar.

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