„Dass ich mein Kind lieben werde, haben sie mir gesagt. Dass ich die komplette Schule nochmal durchmachen muss, haben sie mir nicht gesagt“, hat eine genervte Mutter neulich getwittert. Wer seine Kinder durch das österreichische Schulsystem begleitet, muss mit echten Flashbacks aus seiner eigenen Schulzeit rechnen: Der Unterricht läuft vielfach ab wie eh und je, was meist nicht einmal am Unwillen der Lehrer und Lehrerinnen liegt, denn die räumlichen Gegebenheiten stehen modernen pädagogischen Konzepten schlicht im Weg. Gespart werden muss sowieso an allen Ecken und Enden. Und der Rest läuft dann unter Pisa, Pech und Pannen.

Erstarrt in ideologischen Grabenkämpfen

Warum schafft es Österreich eigentlich nicht, sein Schulsystem auf den Stand zu bringen, den man von einem der reichsten Länder der Welt erwarten darf? Warum hängen den Politikern und Politikerinnen eigentlich die ewigen ideologischen Bildungs-Grabenkämpfe selbst noch nicht zum Hals heraus?

Wenn die Politik zaudert oder in Unbeweglichkeit verharrt, ist die Zivilgesellschaft gefordert. Nicht mehr länger zu warten, sondern handeln möchten jetzt die Protagonisten von „Jedes K!nd“, der ersten österreichischen Bildungs-NGO.

Politische Entrepreneure sind die erfolgreicheren politischen Changemakers

Re:think ist das jährliche Treffen politischer Entrepreneure. So ist die Initiative Jedes K!nd bei Re:think im Jahr 2013 entstanden, dem politischen Innovationslabor, das das Europäische Forum Alpbach jedes Jahr gemeinsam mit Kovar & Partners und Freims veranstaltet. Aufbauend auf einer Analyse bisheriger Initiativen und einer Machbarkeitsstudie, wurde von einem Team innerhalb eines Jahres das Konzept für die Bildungs-NGO entwickelt. Herausgekommen ist eine Initiative der Zivilgesellschaft, die die herrschende Bildungspolitik herausfordern will.

Wie unser Bildungssystem aussehen müsste, damit Kinder zu mündigen Bürgern und Bürgerinnen heranwachsen und sich frei entfalten können, wurde dort im vergangenen Jahr in einer der Arbeitsgruppen diskutiert – nun wird  „Jedes K!nd“ demnächst der Öffentlichkeit vorgestellt. Und steht allen offen, die gegen die Erstarrung im österreichischen Bildungssystem etwas tun wollen und die Grundsätze von „Jedes K!nd“ mittragen:

  • Kein Kind darf beschämt werden. Wir brauchen Wertschätzung.
    Erst wenn Kindern bedingungslose Wertschätzung entgegen gebracht wird, entsteht ein Klima, in dem der Wissensdurst und die Neugier der Kinder die Treibkraft für den Bildungserwerb sein können. Dann können auch Anleitung und Kritik angenommen werden.
  •  Kein Kind darf zurück gelassen werden. Wir brauchen Zusammenhalt.
    Jedes Kind muss auf die Bildungsreise mitgenommen werden. Ein wichtiges Lernziel ist, für sich und für andere Verantwortung zu übernehmen.
  • Kein Kind darf verkümmern. Wir brauchen Talent.
    Jedes Kind hat zahlreiche Talente und Stärken. Kindergärten und Schulen müssen diese entdecken und fördern, anstatt ständig Defizite zu suchen.

Handeln statt jammern

„Es ist Zeit zu handeln. Wir brauchen keine kosmetischen Korrekturen eines kranken Systems, sondern eine grundsätzliche Bildungswende“, fasst Bernhard Drumel, einer der Initiatoren von „Jedes K!nd“, die Ziele der Initiative zusammen. Noch immer verlassen Jugendliche in Österreich die Schule ohne ausreichend lesen können, nach wie vor können sich Begabungen in den Klassenzimmern oft nicht entfalten. Nur ein radikales Umdenken im Bildungssystem wird das ändern können. Mitgetragen werden muss das aber auch von Politikerinnen und Politikern, die den Mumm haben, über ihre eigenen parteipolitischen Grenzen hinaus zu denken.


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photo credit: Night Owl City via photopin cc