Kürzlich ist mir das Skript einer Sendung im Deutschlandfunk zum Thema Public Relations als fünfter Gewalt zwischen die Finger gekommen. Nach der Lektüre hatte ich ein Gefühl und eine Gewissheit: Ich war mir sicher, dass so ziemlich alle an dem Beitrag beteiligten Personen Public Relations, Public Affairs und Lobbying durcheinander geworfen hatten (scheinbar ist das alles eins). Und ich fühlte mich ziemlich schlecht, weil ich Teil dieser Mischung unterschiedlicher Disziplinen zu sein scheine, die sich als illegitime fünfte Gewalt neben den anderen vieren platziert hat.

Eine der Thesen war: Kommunikation ist fein, so lange sie ausschließlich Öffentlichkeit herstellt. Sobald sie hingegen die Öffentlichkeit beeinflusst, wird es schwierig. Aber wie soll das gehen, eine Position darzustellen, ohne für die Durchsetzung auch kämpfen zu dürfen? Letztlich ist dies das Wesen parlamentarischer demokratischer Systeme.

Und weiter geht es in der Sendung mit der Darstellung des Handwerkszeugs von Kommunikatoren, das da ist: Trickserei, Schönfärberei, Täuschung, Manipulation und Betrug. Eines habe ich noch vergessen: Astroturfing. Solche Auswüchse kommen tatsächlich vor; wie in allen anderen Lebens- und Arbeitsbereichen auch. Aber mir hat man an der Uni andere Dinge beigebracht. Ein anständiges Berufsethos haben uns die Professoren darüber hinaus ebenfalls eingetrichtert.

Astroturfing ist übrigens das, was – laut Deutschlandfunk – die Leute von Joachim Gaucks Kampagne für die Bundespräsidentschaft auf Facebook gemacht haben. Für mich erschien das eher so, als habe da jemand einer weit verbreiteten Haltung in der Bevölkerung den organisatorischen Rahmen gegeben. Diese Haltung und damit auch Unterstützer gab es bereits. Astroturfing hingegen organisiert Unterstützung, die es eigentlich überhaupt nicht gibt. Das sind vermutlich Feinheiten, die man nicht so genau darzustellen braucht.

Was der Zuhörer auch lernen durfte, ist die Tatsache, dass Vodcasts (Video Pocast, Anm.) Politikern wie Angela Merkel die volle Kontrolle über das geben, was sie sagen. Auch das ist für den Deutschlandfunk schlimm, wahrscheinlich sogar schlimmer als Weihnachts- und Neujahrsansprache zusammen.

Das Übelste überhaupt – und da sind wir wieder am Ausgangspunkt – ist: PR, PA, Lobbying und Journalismus sind zu nahe beieinander. Ausdruck dessen ist ein Verlagshaus wie Helios Media (Politikaward, Fachzeitschrift politik&kommunikation, etc.) oder eine Hochschule wie die Quadriga in Berlin. Schließlich bilden hier Journalisten die „Gegenseite“ aus und weihen sie darin ein, wie der Journalismus (die vierte Gewalt) von der PR, PA und Lobbying (der fünften Gewalt) für Desinformationskampagnen benutzt werden kann. Spätestens da ist man als Zuhörer oder Leser sprachlos.

Professionell ist eine Zunft dann, wenn sie eigene Publikationen, Institutionen, Verbände und Studiengänge hat und dort Dinge wie ein Berufsethos ausbilden kann. Im Falle von Public Affairs und Lobbying scheint es, als würde das eine Gefährdung der Demokratie mit sich bringen. Da hält man es besser mit dem ansonsten nicht unumstrittenen PR-Berater Klaus Kocks. Der gibt den Zuhörern sein Credo mit auf den Weg: „Nichts glauben, nichts glauben, nichts glauben.“ Manchmal gilt das auch für Sendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.