Der Kampf zwischen der NATO und dem Regime des libyschen Diktators Gaddafi findet nicht nur auf dem Schlachtfeld statt, sondern auch in den Medien. Für das Gelingen der NATO-Mission ist es essentiell, dass das Bündnis auch die Meinungs- und Deutungshoheit behält. Dabei scheint es, als habe das Bündnis aus anderen Konflikten, zum Beispiel Afghanistan, gelernt.

Die Propaganda des libyschen Regimes verfängt weitaus weniger als die der NATO. Gaddafi verfügt kaum noch über einen Apparat, der der NATO wirkungsvoll entgegentreten könnte. Geführte Journalistentouren zu Hospitälern, Einschlagskratern und Bomben sowie Beerdigungen angeblicher ziviler Opfer entpuppten sich schnell als Inszenierungen. Da wurden Raketenteile mit kyrillischen Schriftzeichen als NATO-Munition bezeichnet und Unfallopfer als Bombenopfer deklariert. Und auch Gaddafi selbst ist propagandistisch ein Totalausfall. Anfangs tauchte er zwar noch in Ton und Bild auf, mittlerweile ist seine Präsenz jedoch erheblich geringer geworden. Zudem taugen die Video- und Audiobotschaften Gaddafis aufgrund seiner offensichtlichen Verwirrtheit, wilden Gestik und derben Sprache eher zur Erheiterung als zur Gewinnung des Propagandakriegs.

Vollkommen anders sieht es hingegen auf Seiten der NATO aus. Die Kommunikation mit den Partnern, vor allem Frankreich und Großbritannien, ist gut abgestimmt und wenig widersprüchlich. NATO-Generalsekretär Rasmussen setzt gezielt verbale Stiche gegen das Gaddafi-Regime und trägt damit wesentlich zu Isolierung und Demoralisierung bei. Zugleich erstickt er Zweifel in den Reihen der NATO-Mitglieder, die sich nicht aktiv an der Überwachung der Flugverbotszone beteiligen. Dies geschieht beispielsweise durch umgehende Dementis von Gerüchten. Keiner der NATO-Vertreter weicht von der offiziellen Sprachregelung ab, dass die NATO nur die entsprechende UN-Sicherheitsratsresolution durchsetzt und darüber hinaus keine Aktionen – wie Schläge gegen Gaddafi persönlich – durchführt.

Ansonsten zeichnet die NATO vor allem seit Anfang Juni das Bild eines untergehenden Regimes. Die Botschaften: Gaddafis militärische Potenz ist halbiert, seine Kommandostrukturen sind zerstört, das Militär desertiert und ist demoralisiert, Minister und Beamte setzen sich ins Ausland ab. Mitte Juni dann folgten nochmals stärkere Botschaften: Gaddafis Terror gehe definitiv zu Ende, das sei nur eine Frage der Zeit. Es folgten die Verlängerung der Mission und eine Verstärkung der Angriffe (Helikopter als logische Ausweitung der Mission). Und selbst Skeptiker wie Russland spielten der NATO bei ihrem Agenda Setting in die Hände, als sie davor warnten, das Militärbündnis stehe einen Schritt vor dem Einsatz von Bodentruppen. Das bis dato stärkste Signal der NATO war dann der Aufruf an die UNO, sich Gedanken für die Organisation des libyschen Staatswesens nach dem Abtritt Gaddafis zu machen. Zu dem Zeitpunkt hatte Gaddafi der NATO propagandistisch schon nichts mehr entgegen zu setzen.

Wenn auf dem Schlachtfeld nichts mehr Nachteiliges passiert, hat die NATO den Propagandakrieg bereits heute gewonnen.