Was hat der ugandische Premier Amama Mbabazi mit Paul Kagame, dem Präsidenten von Ruanda und der norwegischen Ministerpräsidentin Erna Solberg gemeinsam?  Alle drei betreiben Twitter-Politik und gehören dabei zu den gesprächigsten Politikern weltweit. 95 Prozent von Mbabazis Tweets sind Antworten an andere Twitter-User, Kagame wiederum liefert sich berüchtigte Zwitscher-Wortgefechte mit seinen Kritikern. Die soeben veröffentlichte „Twiplomacy“-Studie, die Burson-Marsteller jedes Jahr durchführt, zeigt, dass Politiker auf Twitter all das machen, was andere User ebenfalls tun. Sie schießen Selfies  – das Bild, das Barack Obama und David Cameron mit der dänischen Minsterpräsidentin Helle Thorning-Schmidt bei Nelson Mandelas Begräbnis kichernd beim Selfie zeigt, samt verärgert daneben sitzender First Lady, ging um die Welt. Sie liefern sich Debatten und nutzen Twitter, um ihre Netzwerke zu pflegen.

Vernetzung mittels Twitter-Politik

Doch wie bedeutend ist die Politik per Hashtag eigentlich ? Die Studie, die weltweit das Twitter-Verhalten von Staats- und Regierungschefs sowie Außenministern beleuchtet, zeigt, dass erstere vor allem daran interessiert sind, Follower zu sammeln, während die Außenminister ein virtuelles Netz spannen und digitale Diplomatie betreiben, indem sie einander folgen. Oder, wie im Fall von kleineren Staaten, versuchen, den Amtskollegen und- kolleginnen auf Augenhöhe zu begegnen. Mehr als die Hälfte aller Außenminister ist laut der Twiplomacy-Studie weltweit auf Twitter, mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Staats- und Regierungschefs haben persönliche Accounts.

Mit 43,7 Millionen Followern ist US-Präsident Barack Obama derzeit unangefochten auf Platz 1, gefolgt von Papst Franziskus, dem 14 Millionen auf Twitter folgen, einen Platz auf dem Stockerl hat auch noch Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono, der es auf mehr als fünf Millionen Follower bringt und damit sogar den Account @WhiteHouse überholt. Und nur innerhalb weniger Wochen nach seiner Wahl im Mai konnte sich der indische Premier Narendra Modi auf Platz vier katapultieren.

Unter den Außenministern hat pikanterweise Ahmet Davutoglu aus der Türkei die größte Follower-Gemeinde auf Twitter (1,5 Millionen) – schließlich hatte Premier Recep Tayyip Erdogan im Frühjahr vor den Kommunalwahlen eine Twitter-Sperre verhängen hatte lassen, die das türkische Verfassungsgericht wieder kippte.

Papst ist Retweet-Champion

Doch was ist im Twitterversum die härtere Währung im Wettstreit um Aufmerksamkeit und Einfluss? Follower oder Retweets? In Sachen regelmäßiger Retweets lässt Papst Franziskus den Rest ganz schön alt aussehen. Ein Tweet von Obama wird laut der Studie im Schnitt bloß 1442 Mal retweetet. Der Pontifex bringt es  jedes Mal auf mehr als 10.000 Retweets. Alleine bei seinem spanischsprachigen Account wohlgemerkt. Da kommen dann noch 6462 Retweets auf Englisch dazu. Und darüber hinaus twittert Franziskus ja auch noch in sieben weiteren Sprachen.

Mit einzelnen Wort-Meldungen können Regierungschefs allerdings auch schon einmal  mehr als 24.000 Retweets schaffen. Wie Kanadas Premierminister Stephen Harper, der während der Winterspiele in Sotchi nach den Siegen der kanadischen Frauen- und Herren-Eishockeymannschaften über die USA twitterte: “Like I said, #teamusa is good but #wearewinter. @BarackObama, I look forward to my two cases of beer. #CANvsUSA #Sochi2014.” Obama hat die Wettwettschulden selbstverständlich beglichen und den Nationalen Sicherheitsrat twittern lassen, dass die zwei Kisten Bier an die kanadische Botschaft in den USA geliefert werden. Die Botschaft hat sich – ebenfalls auf Twitter – begeistert bedankt und Stephan Harper versprochen, „dass nur ein paar Flaschen fehlen werden :)“. Der Hashtag lautete übrigens: #beerdiplomacy.


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