Eine Treppenanlage zu bauen ist keine große Sache, sollte man meinen. Dennoch können scheinbar einfache Errichtungsarbeiten sowohl für die Planer als auch für die Ausführenden durchaus herausfordernd sein. Stehen einander im konkreten Fall doch Baurecht, Bautechnikverordnung, OIB-Richtlinien, Arbeitsstättenverordnung, Normen und die Fachliteratur gegenüber – und manchmal auch im Weg.  

In der Baupraxis sind die Betroffenen mit einem Konglomerat an teils komplexen nationalen, europäischen und internationalen Normen, Auflagen sowie landes – und bundesgesetzlichen Bestimmungen und Regelungen konfrontiert. Erschwerend kommen noch die zivil- und strafrechtlichen Auslegungen dieser teils widersprüchlichen Bauregeln hinzu, Normen werden in der Rechtsprechung und von Sachverständigen nämlich häufig als „Quasi-Gesetze“ betrachtet.

Initiative für vereinfachte Regelungen

Die anhaltende Kritik an Bauregeln im Allgemeinen und Baunormen im Besonderen – in der öffentlichen Debatte meist zu dem Begriff „Normenflut“ verknappt – war daher Grund genug für das Austrian Standards Institut gemeinsam mit der Bundesinnung Bau der österreichischen Wirtschaftskammer das Projekt „Dialogforum Bau – gemeinsam für klare und einfache Bauregeln“ zu initiieren. Es wurden bis dato zwar immer wieder exemplarisch gut nachvollziehbare Beispiele genannt, doch blieb die Diskussion meist an den Einzelfällen hängen. Kovar & Partners begleiten den Prozess, bei dem gemeinsam mit den betroffenen Fachleuten aus der Praxis ein Big Picture entworfen und davon ausgehend klarere und einfachere Bauregeln entwickelt werden.

Sinnvolles Zusammenwirken

Eine erste, für alle offene Online-Diskussion brachte im Frühjahr 2016 mehr als 250 Verbesserungsvorschläge. Diese wurden in insgesamt 10 Arbeitskreisen mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten behandelt, mit dem Ziel, die Problemlage möglichst vollständig zu erfassen. Der jetzt vorliegende Zwischenbericht, dem die Arbeitskreise zugrunde liegen, zeigt, dass viele Kritikpunkte nicht ausschließlich Baustandards betreffen, sondern den gesamten Baurechtskomplex. Das sinnvolle Zusammenspiel aller rechtlichen Rahmenbedingungen ist der Knackpunkt für die praxisgerechte Gestaltung von Bauregeln. Es wurden aber auch generelle Probleme thematisiert: etwa die Nutzungsqualität und Lesbarkeit von Nomen für die Anwender_innen, die Frage nach den Grenzen der Anwendbarkeit bzw. Nichtanwendbarkeit von Normen, aber auch die Vernetzung und Abstimmung aller Institutionen, die die Normen und Richtlinien erlassen. Es gab zudem auch Überlegungen zu der Ausgewogenheit bzw. zu sinnvollen Zusammenlegungen von Normenkomitees und auch bereits konkrete Anträge an Normenkomitees formuliert.

Zweite Online-Konsultation

Basierend auf den Ergebnissen Arbeitskreise wurde ein Fragenkatalog formuliert, der nun in einer 2. Online-Phase bis zum 29. Jänner 2017 zur Diskussion steht. Die neuen Ergänzungen werden in den Endbericht einfließen, der als Entscheidungsgrundlage für effiziente Maßnahmen  zur Schaffung von klareren und einfacheren Bauregeln dienen soll.

Mehr Infos und Anmeldung zur Online-Diskussion unter: www.austrian-standards.at/dialogforumbau

 

Norm, Bau, Bauindustrie, Zwischenbericht

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